Die Heukuppe im Nebel

Eine Alpenostrand Tour - we did it!
Jänner 2001. Rax. Preiner Gscheid/Karl-Ludwig Haus/Heukuppe.


Sonntag, 28.Jänner, 6.00 Uhr Morgens
. Mein Wecker hupt schon seit Minuten. Draußen ist es noch dunkel. Am liebsten würde ich mich noch einmal umdrehen und weiterschlafen. Doch heute steht eine Besteigung der Rax auf dem Programm. Eine kurze Dusche, rein ins Boardergewand und ein kurzes Frühstück. Der Café ist dabei das Wichtigste: schwarz, stark und süß. Die Stadt liegt im Nebel. Unterwegs ist um diese Zeit noch niemand. Beim Mac D. in Baden treffe ich BoardBabeBabs, Schnu und Georg. Ganz so beeilen hätte ich mich nicht müssen; so geht sich ein zweitens Frühstück aus.
Meine Ausrüstung packe ich bei Georg ins Auto - ein altes Board, abgeschnittene Ski mit Tourenbindung, Teleskop-Stöcke und ein Touren-Rucksack mit Verpflegung und natürlich der Sicherheitsausrüestung: Verschütteten-Suchgerät, Schaufel und Lawinensonde.

Bei Wiener Neustadt klart der Nebel auf und die Berge leuchten in der Sonne. Langsam bekommen wir das Gefühl, dass es wert war, früh aus den Federn zu kriechen. Auf dem Preiner Gscheid packen wir uns zusammen. Die ersten sind wir jedenfalls nicht. Ein kurzer Blick auf die Rax zeigt mir, dass ich meine Kurzski heute wohl nicht brauchen werde. Schnu möchte jedenfalls seine neuen Schneeschuhe ausprobieren. In der Morgensonne steigen wir die zum nahen Schlepplift gehörige Piste hinauf. An deren oberem Ende erreichen wir den ersten Schnee. Wir wenden uns nach rechts Richtung Waxriegelhaus. Bald liegt der Karlgraben vor uns. Nach kurzer Rast lassen wir den Schlangenweg links liegen und steigen eine steile, harschige Rinne hinauf. Ich bin froh, meine Touren-Skischuhe zu haben; Schnu verzweifelt gerade mit seinen Schneeschuhen. Steigeisen wären wohl mehr geeignet.

Der Ausstieg aus dem Karlgraben ist wie immer vereist und verlangt uns einiges bergsteigerisches Geschick ab. Die Sonne hat sich längst hinter dicke Wolken zurückgezogen. Das Karl-Ludwig-Haus gibt uns Gelegenheit zu einer wohlverdienten Rast.
Die Hütte ist bewirtschaftet und geheizt. Eine gute Suppe, Käse und Brot verschaffen uns die nötige Kraft für den Aufstieg auf die Heukuppe, der mit 2007m Seehöhe der höchste Punkt der Rax. Hier nimmt unsere Tour Expeditionscharakter an: Nebel, Wind, Schnee. Die feinen Eispartikel stechen im Gesicht. Einmal würde ich die Heukuppe gerne im gleißenden Sonnenlicht sehen. Unvermutet sind wir auf dem Gipfel angelangt, wir haben es geschafft!

Ein schnelles Gipfelphoto ... 2000 war Alex noch mit...die schönste Abfahrt des Tages widmen wir ihm!

... für einen längeren Aufenthalt ist es eindeutig zu kalt. Wir machen uns rasch zur Abfahrt fertig. Die ersten Meter geht es flach über scholligen Bruchharsch dahin. Dann folgt die erste Abfahrt. Der Schnee wird besser und fast ein wenig pulvrig. Eine Wächte am unteren Ende des Hanges lädt zu einem schönen Jump ein. Noch ein paar Schwünge und wir haben wieder das Karl-Ludwig-Haus erreicht. Diesmal lassen wir es links liegen und gehen zur Steileinfahrt in den Karlgraben weiter.

Der Ausblick ist eigenartig: die Sonne bricht gerade wieder durch den Hochnebel, die Hänge sind nur mäßig mit Schnee bedeckt, in der Ferne sieht man grüne Wiesen. Noch ein paar Photos, dann geht es los. Ein paar Schwünge in griffigem Schnee ... dann ist es auch schon wieder vorbei. Nach einigen ratlosen Blicken entdecken wir ein schmales Schneeband zwischen den Latschen. Leicht zu erreichen ist es allerdings nicht. Wir queren ein eisiges Eisfeld und klettern um eine Felsnase herum. Hier ist Anschnallen im steilen Gelände gefragt. BBBabs zieht ihre gewohnt eleganten Turns in die Rinne, Georg kehrt wieder einmal den Soulman hervor und Schnu steht beiden um nichts nach. Meine Hardboots ermöglichen mir ein paar geschnittene Schwünge in der Rinne und dann zwischen den Latschen.

Auf der Höhe des Waxriegelhauses ist endgültig Schluß. Die Sonne den Nebel nun endgültig durchbrochen und scheint, als hätte sie uns die ganze Zeit über Licht und Wärme gegeben. Trotz des Schneemangels haben wir ein paar nette Abfahrten gehabt.
Auf der Rückfahrt machen wir im Loos-Haus am Kreuzberg Rast. Herrliche Suppen und Nachspeisen wecken wieder die Lebensgeister in uns.

Wir kommen sicher wieder ... und das nächste Mal haben wir Powder - bestimmt!

MAMMUT-Günter

 

06-Jun-2004